Geschichte

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Luftbild Rüti

Erste Erwähnung Rüti’s in einer Urkunde

Am 2. Oktober 1185 bestätigt Papst Lucius III. der Abtei St. Johannsen in Erlach alle ihre Rechte und ihren Besitz sowohl an Kirchen, wie auch an Gütern unter anderen an Orten wie Ins, Erlach, Büren und auch an Rüti. 1233 nimmt Papst Gregor IX. die Abtei St.Urban unter seinen Schutz und anerkennt dabei unter anderem ihre Besitzungen in Rüti. Im selben Jahr tauschen zwei Bürger von Wolhusen Güter in Rüti gegen Güter, die näher bei Wolhusen liegen. In dieser Urkunde wird erstmals die Bezeichnung „Ruti apud oppidum burron sittas“ (Rüti bei Büren) verwendet. Es zeigt sich jedoch, dass wir nicht viel über die ersten 200 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung über Rüti wissen. Rüti ist somit per dato 820 Jahre alt.
Jedoch können erste Spuren einer Besiedelung Rütis bereits in der Jungsteinzeit vermutet werden, wurden doch bei der Teufelsburg Scherben gefunden, die aus dieser Zeit stammen könnten. Sicher belegen lässt sich jedoch die Besiedelung in römischer Zeit. Die zahlreichen Funde römischen Mauerwerks im Rütibuchsi sowie die Entdeckung einer Wasserleitung aus Jurakalk geben, neben kleineren Funden, unzweifelhafte Hinweise dafür, dass Rüti in römischer Zeit besiedelt war.
Nächste Zeuge einer Besiedelung ist die Teufelsburg, die im 10. oder 11. Jahrhundert errichtet wurde. Seither ist Rüti durchgehend besiedelt. Der Wasserweg Aare brachte es mit sich, dass das Gebiet der Gemeinde sicher schon in grauer Vorzeit erschlossen war. In römischer Zeit führte die Strasse von Studen (Petinesca) nach Solothurn (Salodurum) durch das Gemeindegebiet Rüti. Der genaue Verlauf dieser Strasse ist umstritten; ihre Existenz kann aber als gesichert gelten. Der Wunsch der Rütiger nach einer Aarebrücke, und damit auch nach einer Verbindung mit dem Industriedorf Grenchen wird am Anfang dieses Jahrhunderts geäussert. 1929 wählt die Gemeindeversammlung sieben Mitglieder in ein Komitee für eine Aarebrücke Rüti-Staad, doch der Wunsch geht nicht in Erfüllung.

Postkarte von 1904

Rüti im Jahre 1904: Der Dorfkern mit dem Spritzenhaus, Kirche und Pfarrhaus, das Schulhaus aus dem Jahre 1843, das Mühlestöckli, das Restaurant Rytz (heutiges Restaurant Kreuz) und der Gasthof Bären, erbaut um 1780.

Die Kirche von Rüti

Kirche Rüti

Die Kirche von Rüti ist eine der ältesten des Bürenamtes. Die romanische Bauweise des Chores weist auf den Bau im 11. oder 12. Jahrhundert hin. Der Turm mit Satteldach ist im 13. oder 14. Jahrhundert errichtet worden. 1674 wurden das Chorgestühl und die Kanzel erneuert, 1689 das Kirchenschiff verlängert und zusätzliche Fenster herausgebrochen. 1697 wurde eine Sonnenuhr an der Südseite der Kirche angebracht. Es folgen grössere Renovationen in den Jahren 1911, 1960 und 1968 bis 1970. Die Kirche ist ursprünglich dem heiligen Mauritius gewidmet, dem Anführer der Thebäischen Legion, die zwischen 280 und 300 nach Christi Geburt bei St. Maurice hingerichtet wurde. Besonders wertvoll sind die bei der Renovation 1911 wiederentdeckten Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Obwohl beim Umbau 1689 durch Herausbrechen der Fenster ein Teil der Fresken zerstört wurde, können die verschiedenen Themen noch klar erkannt werden. Im Chor thront Christus mit den Symbolen der vier Evangelisten, an der Ostwand ist die Legende der Thebräischen Legion dargestellt, die Südwand zeigt die Jakobslegende und die Nordwand Davids Königsgrab und Johannes den Täufer. Zur Kirche gehört das stattliche Pfarrhaus, das 1789 erbaut wurde. Aus derselben Zeit stammt das ehemalige Ofenhaus. Seit der Renovation 1983 dient es der Kirchgemeinde als Sitzungs-und Gemeinderaum.

Der Dorfbrand

Das herausragendste und auch traurigste Ereignis in der Geschichte Rütis ist der Dorfbrand vom 20. Mai 1868. Mit 53 Firsten, wovon 38 Wohngebäude, mehr als ein Drittel der bewohnten Häuser und mit mehr als 265 geschädigten Personen, war mehr als ein Drittel der damaligen Bevölkerung betroffen. Der Hergang des Brandes wird im Bericht des Central-Hülfs-Comites wie folgt geschildert:

«Es war am 20. Mai 1868; die meisten Leute befanden sich auf dem Felde an der Arbeit und dachten daran, bald nach Hause zu kehren, um das Mittagsmahl einzunehmen, als plötzlich, etwas vor 11 Uhr, die Sturmglocke ertönte. “Es brennt in Rüti”. Mit diesem Ruf liess jeder sein Handwerkszeug fallen und stürtzte angst-und schreckerfüllt nach Hause um zu helfen und zu retten. Das Feuer entstand auf der Westseite der südlichen Hälfte des Dorfes in einer Hufschmiede an der sogenannten Herrengasse infolge fehlerhafter Bauart.
Bei der damaligen trockenen Witterung und dem herrschenden Nord-Ostwinde hatte sich das Feuer mit rasender Geschwindigkeit über den ganzen südlichen Teil des Dorfes verbreitet. In kaum mehr als 5/4 Sunden wogte das verheerendste Element bis auf den höchsten Punkt des Dorfes. Stroh und Schindeln flogen in feurigen Garben hoch durch die Luft bis in weit entlegene Dörfer».


Die Nachricht des Brandes verbreitete sich in der ganzen Schweiz, jedoch viel langsamer, als dies heute der Fall wäre. In der Berner Zeitung vom 23. Mai fehlen noch direkte Nachrichten. Am 25. Mai erfolgte ein ausführlicher Bericht, der zu Spenden aufrief. Am 26. Mai werden erste Gaben gemeldet, am 11., 26. und 29. Juni sowie am 17. Juli wird über den Stand der Sammelaktion berichtet, dann verschwindet der Brand von Rüti aus den Spalten. Das Central-Hülfs-Comite legte im Jahre 1881 «Bericht und Rechnung für die Brandgeschädigten» ab. Das Büchlein berichtet auf 32 Seiten von der grossen Hilfe und Unterstützung aus allen Teilen der Schweiz.

Die Teufelsburg

Die Teufelsburg im Rütiwald ist ein weiteres Relikt aus vergangenen Zeiten. Sie wurde im 10./11. Jahrhundert als Erdburg gebaut und als Fluchtburg benutzt. Von diesen Fluchtburgen gibt es entlang der Aare eine ganze Reihe. Die Herkunft ihres Namens liegt im Dunkeln. Er kommt eventuell vom Namen Diebold oder Tiebold; Tieboldsburg wurde dann im Volksmund zur Teufelsburg. Sie besteht aus einem 15 Meter hohen Burghügel mit der Form eines Kegelstumpfes. Der kreisrunde Platz auf dem Burghügel hat einen Durchmesser von 13 Metern und ist von bis zu sieben 3 bis 5 Meter hohen Wällen umgeben. Die Teufelsburg ist Eigentum der Burgergemeinde Solothurn. Sie wurde 1391 von Elisabeth von Buchegg an die Stadt Solothurn verkauft. Um die Teufelsburg rankt sich die Sage von einem Burgfräulein, das sein einsames Heim im Walde mit einer besseren Wohnung tauschen wollte. Da jedoch niemand in der Gegend auf diesen Tausch einging, gelangte es an Solothurn. Dort erhielt es das Gewünschte und vermachte somit die Burg an Solothurn.

Die Tabakfabrik von Rüti

Tabakfabrik

Im 19. Jahrhundert wurde in Rüti noch türkischer Tabak hergestellt. Dazu diente die Liegenschaft an der Herrengasse, welche sich an der Einmündung der heutigen Bürenbeundenstrasse befindet. Ein Nachkomme des Tabakfabrikanten, diese Nachkommen wurden übrigens mit dem Übernamen «Tabakers» bezeichnet, war der spätere Burgerschreiber Hermann Stauffer (1861-1957). Die Herstellung von Tabak wurde noch vor der Jahrhundertwende aufgegeben. Nach der Aufgabe der Tabakfabrik diente die Liegenschaft an der Herrengasse vorübergehend sodann als Käserei.

Der Mistwagen auf dem Dache - eine Erzählung
(nach einer Nacherzählung von Stephan Müller, Rüti)

Strohchare

Kurz vor der Jahrhundertwende war in Rüti des öftern eine Gruppe sogenannter Nachtbuben unterwegs. Sommer, so hiess der damalige Sager von Rüti, war Besitzer eines Hauses an der Landstrasse (heutiges Gebäude der Metzgerei Lauper). Zangger, so hiess der damalige Pächter des Hofes vom «Pintli Durs», hatte zu seinem Hofe auch noch den Rossstall im Hause des Sagers Sommer zur Miete, was viele Neider heftig kritisierten. Darin ist wohl auch der Grund zu suchen, dass die Nachtbuben aus Rüti gerade Zangger einmal als Opfer für einen ihrer Streiche auserwählten. An einem Samstagabend nach Wirtshausschluss verspürten die mit Unternehmungslust geladenen Nachtbuben, dass noch etwas geschehen musste. Sie wurden bald rätig, dem Zangger einen Streich zu spielen. Der Rädelsführer schlug vor, den Mistwagen vor dem Rossstall von Zangger auf den First des Hauses von Sager Sommer zu tragen und diesen dort mit Mist zu beladen. Dem Vorschlag wurde zugestimmt, und sofort wurden die anfallenden Arbeiten aufgeteilt; einer holte eine lange Leiter, welche auf das Dach hinaufreichte, und andere zerlegten den Mistwagen von Zangger gefliessentlich in Einzelteile. Stück für Stück wurden die Teile des zerlegten Mistwagens mit einem Seil auf den First des Hauses hinaufgezogen. Auf dem First wurde der Mistwagen wieder zusammengesetzt. Anschliessend trugen die Nachtbuben in Körben den Rossmist vor dem Hause auf das Dach, so lange, bis die Mistbänne gefüllt war. Nach ihrer mühsamen Arbeit kehrten die Nachtbuben heim. Am darauffolgenden Sonntagmorgen wurde die Mistbänne auf dem Dache des Hauses von Sager Sommer bald entdeckt. In der Predigt tuschelten die Gotteshausbesucher nach links und rechts. Einzig Zangger war es nicht ums Lachen; er fühlte sich geschlagen. Zu seinem Überdruss und zum Gelächter der übrigen Dorfbewohner musste er den Mistwagen über den Sonntag in luftiger Höhe ruhen lassen.

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